Donald Trump

Wie sehr US-Präsident Trump die bayerische Industrie bedroht

Amerika ist der wichtigste internationale Handelspartner unserer Unternehmen. Wenn Trump auf die Bremse tritt, hat das unangenehme Folgen. Und er wird treten.

Die gute Nachricht vorweg: Nicht einmal der amerikanische Präsident ist so mächtig, dass er die weltweiten Handelsströme zum Erliegen bringen kann. Und dennoch: Donald Trump kann den Menschen, die auch in unserer Region vom internationalen Handel leben, einen gehörigen Schrecken einjagen.

Bayerische Industrie: Schwaben ist die Werkbank Bayerns

Denn der Stopp der „Transpazifischen Partnerschaft“ (TPP), den Trump gestern verkündete, beeinflusst nicht nur die Geschäfte eines Schuhhändlers in Vietnam. Auch für Maschinenbauer aus Augsburg, Ingolstadt oder dem Allgäu könnte Trumps Politik, die er knapp „America first“ nennt, schmerzhafte Folgen haben. Am Ende geht es um Arbeitsplätze in unserer Region.

Doch der Reihe nach. Bayerisch-Schwaben und Oberbayern sind nicht nur landschaftlich reizvoll. Besonders Schwaben mit der Metropole Augsburg an der Spitze gilt als Werkbank Bayerns. Hier wird in großem Stil produziert und ins Ausland verkauft. Etwa 60 Prozent der Industriegüter-Umsätze hängen am Exportgeschäft. Und damit weit mehr als 100 000 Jobs.

Der größte Handelspartner unserer Unternehmen sind die Vereinigten Staaten. Wir verkaufen den Amerikanern vor allem Hochtechnologie. Und damit wird klar, was es für die schwäbischen Firmen bedeutet, wenn der neue US-Präsident lauthals ankündigt: „Wir werden Arbeitsplätze und Industrien zurück nach Amerika verlagern.“

Die Rahmenbedingungen für die exportorientierte heimische Wirtschaft könnten sich also verschlechtern, wenn Trump seinen markigen Worten auch Taten folgen lässt. Doch das ist keineswegs sicher. Denn auch die Vereinigten Staaten sind ein Land, das vom internationalen Handel lebt. Amerika importiert Güter von Rohstoffen bis zur Hochtechnologie. Und es verkauft „Made in USA“ in die ganze Welt.

Bayerische Industrie: Verbraucher wollen kein Chlorhühnchen und kein Hormonfleisch

Trump kann den weltweiten Handel also nicht stoppen. Aber er wird die angestrebten internationalen Verträge in den Müll werfen. Zumindest sieht es danach aus. Denn neben dem Stopp des TPP-Abkommens hat auch das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP keine Chance mehr auf Umsetzung. Das sollte niemanden überraschen. Auch in Deutschland überwog zuletzt die Ablehnung. Verbraucher wollten keine amerikanischen Chlorhühnchen oder Hormonfleisch auf dem Teller. Zudem fürchteten sich viele Menschen vor der Aufweichung von Verbraucherschutz und Arbeitnehmerrechten. Selbst Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erklärte TTIP schon im September für „de facto gescheitert“. Für die Beerdigung brauchte es also keinen Donald Trump mehr.

Diese internationalen Abkommen hatten das Ziel, dem globalen Handel einen Turboantrieb einzubauen. Doch die Geschäfte haben bislang auch ohne die Verträge funktioniert. Bayerisch-Schwaben brauchte kein TTIP, um eine exportstarke Region zu werden. Worauf es jetzt ankommt, ist, wie hoch Trump die Schutzwälle tatsächlich zieht, um amerikanische Industrien zu schützen. Denkbar sind Strafzölle und andere Importhindernisse. Apple soll bereits überprüfen, was es bedeutet, wenn seine Lifestyle-Produkte wie iPhone oder iPad nicht mehr in Ost-Asien, sondern in Kalifornien hergestellt werden.

Wie die Unterhaltungsindustrie könnte die Regierung Trump die amerikanischen Auto-Hersteller und Zulieferer schützen wollen, die heute gerne Hochtechnologie aus Schwaben und Oberbayern importieren. Statt des erhofften TTIP-Turbos könnte die heimische Industrie es also bald mit US-Bremsern zu tun bekommen. Das ist die reale Gefahr für die Geschäfte und unsere Arbeitsplätze.

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