ARD und ZDF

Eine Reform von ARD und ZDF ist überfällig

Kommentar: 2019 startet das Fingerhakeln um die Erhöhung der Rundfunkbeiträge. Die Sender fordern mehr Geld. Sinnvoll wären weniger Programme und mehr Qualität.

Es wäre falsch, das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem in Deutschland zu verteufeln. ARD und ZDF übernehmen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Sie sind – wie die seriösen Zeitungen und Magazine – Gralshüter der hochwertigen Information und damit auch der Demokratie.

Fernsehen ohne ARD und ZDF würde in Deutschland zu einem Wettrennen der Seifenopern verkommen. Doch das heißt nicht, dass alles gut ist mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Im Gegenteil: Das beginnende Fingerhakeln um eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ab 2021 zeigt wieder einmal: ARD und ZDF, stellen dreiste Forderungen und verweigern sich nötigen Reformen.

ARD und ZDF: Ein Medien-Koloss aus 20 TV-Programmen und 69 Radio-Wellen.

Denn der Medien-Koloss aus insgesamt 20 TV-Programmen, 69 Radiowellen und mehr als 100 Online-Angeboten ist in den Jahrzehnten immer fetter geworden. Deutschland leistet sich den teuersten öffentlichen Rundfunk der Welt. Mehr als acht Milliarden Euro haben die Sender mit ihren etwa 27 000 festen Mitarbeitern zur Verfügung.

Der Auftrag, Information, Bildung und Unterhaltung zu gewährleisten, wäre selbstverständlich auch mit ein paar weniger Programmen zu gewährleisten. In Ländern wie Großbritannien oder Frankreich arbeitet der öffentliche Rundfunk deutlich schlanker. Und es ist bislang nicht überliefert, dass die Menschen dort informations- und bildungsferner leben müssen.

Entstanden ist das allumfassende deutsche System in einer Zeit als es kein Privatfernsehen- und Radio gab – und kein Internet. Auch die Zeitungen und Magazine hatten noch nicht die Qualität unserer Neuzeit. Würde man jetzt ein öffentlich-rechtliches Mediensystem erfinden, es schaute wohl grundlegend anders aus – mit schlankeren Strukturen, mehr Qualität und Effizienz.

ARD und ZDF: Heute würde ein nationaler Sender reichen.

Unter heutigen Gegebenheiten würde man wohl eher einen statt zwei nationale Sender mit hochwertiger internationaler, nationaler Politikberichterstattung gründen. Er hätte viel Kultur und Wissen im Angebot, was Online in übersichtlichen Mediatheken abrufbar wäre. Auch Unterhaltung würde geboten, doch Helene-Fischer-Shows und Marienhof-Gedöns würde man den Privaten überlassen. Zu diesem nationalen Sender könnte ein System regionaler Informations- und Kulturberichterstattung passen.

Und irgendwo zwischen so einem schlanken System der digitalen Medienzeit und dem bestehenden Koloss liegt der Reformbedarf von ARD und ZDF. Doch die vielen Senderchefs und ihre Stabsabteilungen wollen das nicht erkennen.

Denn statt eine Neuordnung und Verschlankung von sich aus anzustreben, verlangen sie ultimativ eine Erhöhung der Rundfunkbeiträge. ZDF-Chef Thomas Bellut argumentiert, ohne eine Erhöhung könnten die Sender ihr Niveau nicht halten. Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm droht gleich mit dem Bundesverfassungsgericht, sollten die Länderparlamente einer Erhöhung nicht zustimmen.

Dabei missachten die Lobbyisten, dass sich in den Landtagen immer mehr Widerstand regt. Bislang forderte vor allem die CSU die Verschlankung von Sendeanstalten. Inzwischen kommt auch aus den Reihen von SPD, CDU und FDP Kritik an der Maßlosigkeit und der Reform-Unlust der Sender-Chefs.

Das mag damit zu tun haben, dass die rechtspopulistische AfD die Abschaffung des öffentlichen Systems zum Wahlkampfschlager für die nächsten Landtagswahlen macht. Angesichts von 42 Prozent der Deutschen, die nach einer Civey-Umfrage gar keinen Rundfunkbeitrag zahlen wollen, könnte das sogar funktionieren. Auch darauf wären mutige Reformschritte eine passende Antwort.