Zuckerberg

Facebook stürzt ab: Die Nutzer schlagen zurück

Der Unternehmenswert von Facebook ist in der Nacht zum Donnerstag deutlich geschrumpft. Das Netzwerk wächst nicht mehr. Jetzt rächen sich die Datenskandale.

Es war eine unwirkliche Situation. Nach all den Datenskandalen und der weltweiten Kritik schien Facebook kurzzeitig völlig unbeeindruckt weiter von Erfolg zu Erfolg zu eilen. Der Aktienkurs stieg nach einer kurzen Stimmungsdelle in ungekannte Höhen.

Facebook: Firmenwert sank um mehr als 100 Milliarden Dollar

Jetzt zeigt sich, dass der steigende Unternehmenswert eine Fehlspekulation auf brüchigem Fundament war. Der zuvor stürmisch wachsende Umsatz des sozialen Netzwerks flacht sich deutlich ab. Die Perspektiven sind mau. In der Nacht zum Donnerstag stürzte der Aktienkurs nach Bekanntgabe der Quartalszahlen um mehr als 20 Prozent ab. Der Firmenwert sank um mehr als 100 Milliarden Dollar.

Was war passiert? Facebook musste eingestehen, dass die Zahl der täglichen Nutzer in Nordamerika seit einem Jahr stagniert. Und in Europa sind die Nutzerzahlen sogar rückläufig. Da sind die beiden wichtigsten Märkte für das Zuckerberg-Imperium. In den USA verdient Facebook knapp neun Dollar mit den Daten eines Mitglieds, in Europa fast drei Dollar.

In diesen beiden Kernmärkten war die Wut auf Facebook besonders groß, nachdem bekannt wurde, dass das Netzwerk Nutzerdaten schlecht geschützt und unerlaubt vermarktet hatte. Einen Namen bekam der Skandal mit der Agentur Cambridge Analytica, die mit ihren Machenschaften half, US-Präsident Donald Trump an die Macht zu bringen.

Facebook: Mit seiner Geldgier hat Zuckerberg sich selbst entlarvt

Seither gibt es drei Effekte die gegen Facebook arbeiten.

1. Der Imageschaden reduziert die Lust vieler Nutzer, ihre Daten auf einem Marktplatz zu verschenken, aus dem Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Geldmaschine gebastelt hat. Die Zahl der Mitglieder und das Engagement schrumpfen in den Kernmärkten zusammen. Auch wenn sich noch immer in Europa und Nordamerika täglich fast 500 Millionen Menschen einloggen.

2. Zuckerberg hat erkannt, dass die rücksichtslose Ausbeutung der Nutzerdaten nicht mehr akzeptiert wird. Daher zeigte er sich reumütig, entschuldigte sich vor dem US-Kongress, dem EU-Parlament und schaltete ganzseitige Zeitungsanzeigen mit dem Titel: “Facebook ändert sich”. Auch ließ er seine Geldmaschine überprüfen. Die wohl nun tatsächlich sensiblere Datennutzung lässt die Dollarfontäne schwächer sprudeln.

3. In Europa hat das Bürokratiemonster Europäische Datenschutzgrundverordnung klare Regeln aufgestellt. Bei Verstößen drohen heftige Strafen. Das Gesetz erschwert Facebooks Geschäft. Leider treibt es auch viele grundanständige deutsche Unternehmen in den Wahnsinn, weil die Datenhaltung haarklein reglementiert ist.

Mit seiner Geldgier und Rücksichtslosigkeit hat sich Mark Zuckerberg selbst entlarvt. Es ist gut, dass die Kontrollmechanismen unserer Gesellschaft in diesem Fall funktioniert haben. Politik und Medien haben Facebook nach den Skandalen zurecht an den Pranger gestellt.

Die Menschen haben die Warnungen verstanden. Sie lassen sich nicht mehr so einfach ausbeuten, sind kritischer geworden oder wandern ab. Jetzt spürt Unternehmensgründer Mark Zuckerberg die Keule seiner Nutzer. Sie schlagen zurück.

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