Pegida

Pegida oder: Warum die Gräben zwischen Politik und Bürgern tiefer werden

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Selten war die Kluft zwischen Politikern und ihren Bürgern so deutlich spürbar wie in der Debatte um die Anti-Islamismus-Proteste im sächsischen Dresden.

Wenn Bundespräsident Joachim Gauck die Dresdner Demonstranten der Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) pauschal „Chaoten“ nennt, wenn Nordrhein-Westfalens SPD-Innenminister Jäger besorgte Bürger als „Nazis in Nadelstreifen“ verunglimpft, dann verstärkt das nur das Bauchgefühl vieler Menschen, nicht verstanden zu werden.

Die Anführer der Pegida mögen aus der rechten Ecke stammen

Die Pegida-Anführer mögen tatsächlich aus der rechten Ecke stammen. Doch hinter ihnen versammeln sich Menschen mit realen Ängsten. Sie sorgen sich: Reicht meine Altersversorge? Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Wie gefährlich sind die Islamisten in Deutschland? Ist mein Haus vor Einbrüchen sicher?

Dass die Proteste derzeit vor allem in Dresden stattfinden, hat mit den schwierigen Jahren des Umbruchs nach der Wende und der besonderen Existenzangst vieler Ostdeutscher zu tun. Es ist kein Zufall, dass Rechtsextremisten dort bei Wahlen großen Zulauf hatten. Es ist auch kein Zufall, dass die AfD hier in den Landtagen besonders stark ist. Aber die Angst vor Überfremdung angesichts wachsender Flüchtlingszahlen findet sich auch andern Ortes, findet sich auch im Westen, Norden und Süden Deutschlands.

Deshalb wären Politiker gut beraten, den Menschen zuzuhören und die Notwendigkeit von Einwanderung und Integration besser zu erklären. Sprüche und Pauschalurteile vertiefen nur Gräben und spielen den Pegida-Anführern in die Karten. Allein die Debatte der vergangenen Tage hat die Zahl der Facebook-Anhänger der Pegida auf knapp 50.000 steigen lassen.

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